
Wer beim Brunnenfest durch Bad Lauchstädt bummelt, läuft fast zwangsläufig daran vorbei: das Aeckerleins Haus in der Querfurter Straße 11, gleich in der Nähe des Goethe-Theaters. Die klassizistische Villa gehört seit fast zwei Jahrhunderten zum Stadtbild und hat mehr Geschichte in den Mauern, als man ihr von außen ansieht. Bürgerhaus, Sitz des Brunnenversands, Polizeistation und heute wieder Adresse des Lauchstädter Heilwassers: Kaum ein Gebäude im Ort erzählt die Stadtgeschichte so verdichtet.
Inhaltsübersicht
Eine Villa aus der Blütezeit
Errichtet wurde das Haus 1837 für Johann Jacob Aeckerlein. Es entstand in einer Zeit, in der Bad Lauchstädt als Kurort einen Namen hatte. Die Grundlage dafür war 1704 gelegt worden, als man bei Grabungen zufällig auf eine Mineralquelle stieß. Wenige Jahre später begann der geregelte Kurbetrieb, ab 1713 mit eigenem Badearzt und Brunnenmeister. Der Besuch des sächsischen Kurfürstenpaares 1775 machte den Ort zur Mode, und mit dem Goethe-Theater bekam Lauchstädt 1802 seine bis heute berühmteste Adresse.
In diesem Umfeld baute wohlhabendes Bürgertum repräsentative Häuser. Das Aeckerleins Haus ist eines davon. Der Bau ist als Villa angelegt, mit einer Gartenseite, die auf den erhaltenen historischen Aufnahmen des Bildarchivs Foto Marburg gut zu erkennen ist. Der Name blieb am Gebäude haften, wie es bei Bürgerhäusern der Zeit üblich war: Man nannte sie nach der Familie, die sie errichten ließ. 1927/1928 wurde das Haus umgebaut und an neue Ansprüche angepasst.

Sitz des Brunnenversands
Das prägendste Kapitel der jüngeren Nutzungsgeschichte hängt direkt an der Quelle, der die Stadt ihren Namen verdankt. Lauchstädter Heilwasser wird seit 1710 versendet, über Jahrhunderte ging es in Flaschen bis weit über die Region hinaus. In der DDR wurde dieser Betrieb als VEB Brunnenversand der Heilquelle zu Bad Lauchstädt geführt, und der hatte seinen Sitz in der Querfurter Straße 11 bis 13, also genau dort, wo das Aeckerleins Haus steht. In der Villa und den angrenzenden Gebäuden liefen Verwaltung und Versand des Heilwassers zusammen.
Der Betrieb gehörte zum Getränkekombinat Dessau und beschäftigte 1990 noch 45 Mitarbeiter. Nach der Wende firmierte das Unternehmen als Heil- und Mineralbrunnen GmbH weiter, bis es 2011 Insolvenz anmelden musste. Damit endete vorerst eine Versandtradition von rund 300 Jahren.
Zeitweise Polizeistation
Ein Kapitel, das vielen Lauchstädtern noch präsent ist: Zeitweise diente das Haus auch als Polizeistation, die örtliche Polizei war hier untergebracht, bevor sie umzog. Heute sitzt die Revierstation Bad Lauchstädt in der Windenbergstraße. Wann die Polizei in der Querfurter Straße einzog und wieder auszog, ist in den öffentlich zugänglichen Quellen bislang nicht datiert. Diese Nutzung hat sich vor allem in der Erinnerung der Einwohner gehalten und lässt sich am besten über das Stadtarchiv und alte Adressbücher klären.
Nach der Wende: Stillstand und Neuanfang
Wie viele historische Gebäude im Ort erlebte auch das Areal an der Querfurter Straße nach dem Ende des Brunnenversands stillere Jahre. Erst mit der Wiederbelebung des Lauchstädter Heilbrunnens kam wieder Bewegung hinein: Das Heilwasser wird inzwischen wieder abgefüllt und verkauft, in Mehrwegflaschen und mit deutlichem Bezug auf die Goethe-Tradition. Bemerkenswert dabei ist die Adresse der neuen Brunnen-Firma: Querfurter Straße 11. Der Kreis schließt sich also, das Lauchstädter Wasser hat wieder eine Anschrift im Aeckerleins Haus.
Lebendig ist das Grundstück auch beim größten Fest der Stadt. Beim Lauchstädter Brunnenfest schlägt das Mittelalterlager traditionell vor der Aeckerleinschen Villa seine Zelte auf. Damit steht das Haus jedes Jahr wenigstens für ein Wochenende im Mittelpunkt, auch wenn viele Besucher den Namen eher nebenbei aufschnappen.
Zeitleiste im Überblick
| 1704 | Zufälliger Fund der Mineralquelle, Grundstein für den Kurbetrieb |
| 1710 | Beginn des Heilwasser-Versands aus Lauchstädt |
| 1802 | Eröffnung des Goethe-Theaters |
| 1837 | Bau der Villa für Johann Jacob Aeckerlein in der Querfurter Straße 11 |
| 1927/1928 | Umbau des Hauses |
| DDR-Zeit | Sitz des VEB Brunnenversand der Heilquelle zu Bad Lauchstädt (Querfurter Straße 11–13), Teil des Getränkekombinats Dessau |
| 20. Jh. | Zeitweise Nutzung als Polizeistation (laut örtlicher Überlieferung, genauer Zeitraum noch nicht datiert) |
| 1990 | Der Brunnenversand zählt 45 Beschäftigte, danach Weiterführung als Heil- und Mineralbrunnen GmbH |
| 2011 | Insolvenz der Heil- und Mineralbrunnen GmbH, Ende der alten Versandtradition |
| heute | Wiederbelebter Lauchstädter Brunnen mit Sitz Querfurter Straße 11, beim Brunnenfest Standort des Mittelalterlagers |









