
Wir schauen bei unseren Ortsporträts gern etwas über den aktuellen Stand hinaus, nicht nur, was gerade ist, sondern auch, wohin sich ein Ort in den nächsten Jahren entwickelt. Bad Lauchstädt eignet sich dafür gerade besonders gut: Gleich drei größere Vorhaben laufen parallel auf das Jahr 2027 zu, mit ganz unterschiedlichem Tempo und unterschiedlich festen Zeitplänen. Diese Vorschau fasst zusammen, was bis dahin tatsächlich fertig sein soll und was noch in der Planung steckt.
Inhaltsübersicht
Drei Baustellen, ein Ort: Bad Lauchstädt verändert sich gerade gleich an mehreren Fronten
Wer Bad Lauchstädt nur vom Goethe-Theater oder den historischen Kuranlagen kennt, verpasst gerade einiges. Am Ortsrand entsteht einer der wichtigsten Netzknotenpunkte Ostdeutschlands, direkt daneben wird im industriellen Maßstab grüner Wasserstoff hergestellt, und mitten im Ort arbeitet die Stadt daran, den alten Status als anerkanntes Bad zurückzubekommen. Drei Vorhaben, drei unterschiedliche Zeitpläne, aber alle laufen bis mindestens 2027 weiter.
Umspannwerk Lauchstädt: Drehscheibe für Ökostrom aus Ostdeutschland
Das Umspannwerk Lauchstädt ist Ausgangspunkt der sogenannten Süd-West-Verbindung, auch als Thüringer Strombrücke bekannt, über die Windstrom aus dem Norden und Osten Richtung Süddeutschland transportiert wird. Damit die Leitung die schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Quellen verkraftet, baut Netzbetreiber 50Hertz am Standort vier Anlagen zur Blindleistungskompensation: zwei STATCOM-Anlagen von GE mit jeweils plus/minus 300 Megavoltampere Leistung sowie zwei MSCDN-Systeme von Maschinenfabrik Reinhausen. Die erste STATCOM-Anlage ist seit Juli 2025 in Betrieb, die zweite soll Anfang 2027 folgen. Der Bau läuft bereits seit Januar 2023, der größte Teil der Arbeiten soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein, einzelne Anlagenteile ziehen sich bis ins Jahr 2027.
Energiepark Bad Lauchstädt: der erste grüne Wasserstoff aus der Region
Direkt neben dem Umspannwerk hat der Energiepark Bad Lauchstädt Ende 2025 den Betrieb aufgenommen. Herzstück ist eine 30-Megawatt-Elektrolyseanlage des Herstellers Sunfire, die mit Windstrom aus dem eigenen Windpark am Standort grünen Wasserstoff erzeugt. Über eine umgebaute, frühere Erdgasleitung fließt der Wasserstoff rund 25 Kilometer weiter zur TotalEnergies-Raffinerie in Leuna, dem ersten Abnehmer. Bundesweit gilt das Projekt als erstes seiner Art, weil es die komplette Wertschöpfungskette von Windstrom über Elektrolyse, Speicherung und Transport bis zur industriellen Nutzung an einem Ort zeigt. Die Pipeline nach Leuna ist zugleich als erster fertiggestellter Abschnitt des geplanten deutschen Wasserstoff-Kernnetzes im Osten Deutschlands eingeplant, der weitere Ausbau der Anbindung läuft über 2025 hinaus weiter.
Zurück als anerkanntes Bad: Heilbrunnen-Arkaden und Goethe-Therme
Der dritte Strang betrifft den historischen Kern der Stadt. Bad Lauchstädt will den offiziellen Status als staatlich anerkanntes Bad zurückgewinnen, den der Ort einst hatte. Ein erster sichtbarer Schritt: 2026 eröffneten in der ehemaligen Abfüllhalle die neuen Lauchstädter Heilbrunnen-Arkaden, ein Kurmittelhaus mit Inhalationsraum und Kneipp-Anlage, umgebaut für rund 1,9 Millionen Euro. Die erste Abfüllung des Lauchstädter Heilbrunnens, der Mineralquelle, auf der der Kurort ursprünglich fußte, war für Ende 2025 vorgesehen.
Der größere Schritt steht noch bevor: die geplante Goethe-Therme, veranschlagt mit rund 25 Millionen Euro Baukosten. Bis zu 90 Prozent davon sollen aus Fördermitteln kommen, unter anderem aus Strukturwandelmitteln für den Kohleausstieg in Mitteldeutschland. Ganz neu ist die Idee nicht: Schon 2020 hatte die Stadt eine Therme angekündigt, damals mit Zieljahr 2022/23, gebaut wurde bis heute nichts. Aktuell läuft ein offizielles EU-Vergabeverfahren, veröffentlicht am 31. Oktober 2025, für Planung, Bau und Betrieb der Therme in einem sogenannten wettbewerblichen Dialog. Bewerbungsschluss für Unternehmen war der 1. Dezember 2025, die eigentliche Aufforderung zur Angebotsabgabe wird laut Verfahrensunterlagen aber erst für den 30. April 2027 erwartet. Ein Baubeginn oder gar eine Eröffnung liegen damit noch klar außerhalb des Jahres 2027. Für den Ort ist das Projekt trotzdem eine bewusste Prioritätensetzung: Der Stadtrat hatte sich bereits 2021 einstimmig gegen eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2027 entschieden, um die städtischen Mittel stattdessen in die Therme zu stecken.
Was bis 2027 konkret ansteht
Fest terminiert auf das Jahr 2027 ist vor allem die zweite STATCOM-Anlage am Umspannwerk. Der Energiepark ist bereits am Netz, der weitere Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur läuft aber über das Jahr hinaus weiter. Die Goethe-Therme ist das Projekt mit dem größten Umbruchpotenzial für das Ortsbild, liegt zeitlich aber am weitesten in der Zukunft: Das laufende Vergabeverfahren sieht die nächste Angebotsrunde erst für April 2027 vor, ein Baubeginn ist realistisch also nicht vor 2027 zu erwarten. Wer im Ort unterwegs ist, merkt davon zunächst vor allem eines: mehr Baustellenverkehr am Ortsrand und ein neues Kurmittelhaus mitten im Kurpark.
Häufige Fragen zu den Plänen in Bad Lauchstädt
Was baut 50Hertz in Bad Lauchstädt?
Vier Anlagen zur Blindleistungskompensation am Umspannwerk, darunter zwei STATCOM-Anlagen mit je plus/minus 300 Megavoltampere. Sie sichern die Stromleitung Richtung Süddeutschland ab, die zweite Anlage soll Anfang 2027 fertig sein.
Was ist der Energiepark Bad Lauchstädt?
Eine Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff aus Windstrom, mit einer 30-Megawatt-Elektrolyse von Sunfire. Der Wasserstoff wird über eine umgebaute Erdgasleitung zur Raffinerie in Leuna transportiert und ging Ende 2025 in Betrieb.
Bekommt Bad Lauchstädt wieder den Status als Kurort?
Das ist das Ziel. Mit den 2026 eröffneten Heilbrunnen-Arkaden und der geplanten Goethe-Therme will die Stadt den früheren Status als staatlich anerkanntes Bad zurückgewinnen.
Wann eröffnet die Goethe-Therme?
Noch nicht absehbar. Das EU-Vergabeverfahren für Planung, Bau und Betrieb läuft seit Ende Oktober 2025, die nächste Angebotsrunde ist laut Verfahrensunterlagen aber erst für April 2027 vorgesehen. Ein konkreter Baubeginn steht damit noch aus, die Kosten werden auf rund 25 Millionen Euro geschätzt.
Warum gibt es keine Landesgartenschau 2027 in Bad Lauchstädt?
Der Stadtrat hat sich 2021 bewusst gegen eine Bewerbung entschieden, um die verfügbaren städtischen Mittel stattdessen in die Goethe-Therme zu investieren.
Quellen
- https://www.50hertz.com/de/Netz/Netzausbau/ProjekteanLand/EnergiedreieckMitteldeutschland
- https://www.energie-und-management.de/nachrichten/technik/detail/weitere-statcom-anlagen-fuer-50-hertz-umspannwerke-175803
- https://www.energie-und-management.de/nachrichten/technik/detail/50-hertz-vergibt-vier-grossauftraege-fuer-bad-lauchstaedt-162591
- https://energiepark-bad-lauchstaedt.de/en/
- https://www.uniper.energy/news/energiepark-bad-lauchstaedt-on-the-final-stretch-electrolyzer-for-producing-green-hydrogen-takes-shape
- https://fnb-gas.de/h2-projekte/energiepark-bad-lauchstaedt/
- https://www.thermenportal.de/news/neue-therme-in-sachsen-anhalt-geplant.html
- https://ol.wittich.de/titel/2976/ausgabe/5/2021/artikel/00000000000026634370-OL-2976-2021-24-5-0
- https://www.bauportal-deutschland.de/oeffentliche_ausschreibung_vobvol_details_06246_Goethestadt_Bad_Lauchstaedt_Goethe_Therme_Bad_Lauchstaedt_3006586.html
- https://www.radiosaw.de/artikel/bad-lauchstaedt-kurmittelhaus-geht-den-start
- https://www.dabonline.de/projekte/kurmittelhaus-bad-lauchstaedt









