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Turmholländermühle Schafstädt: der Mühlenturm am Mühlweg
Nördlich des Ortskerns von Schafstädt steht ein Mühlenturm ohne Flügel. Gemahlen wird hier seit Jahrzehnten nicht mehr, und trotzdem hat der Bau der Straße davor ihren Namen gegeben: Der Mühlweg verläuft direkt südlich der alten Windmühle. Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt steht sie unter der Erfassungsnummer 094 20028, ihr offizieller Name lautet Turmholländermühle Schafstädt (Norden). Der Zusatz hat einen Grund. Schafstädt, seit dem 1. Januar 2008 ein Ortsteil von Bad Lauchstädt im Saalekreis, besitzt zwei solcher Türme.
| Steckbrief | |
|---|---|
| Name | Turmholländermühle Schafstädt (Norden) |
| Bauart | Turmholländerwindmühle |
| Adresse | Mühlweg 22, 06246 Bad Lauchstädt, Ortsteil Schafstädt |
| Koordinaten | 51.389849, 11.771548 |
| Denkmalnummer | 094 20028 (Baudenkmal) |
| Bauzeit | 19. Jahrhundert, genaues Baujahr nicht belegt |
| Zustand | Turmstumpf ohne Flügelkreuz, baufällig |
| Besichtigung | keine Öffnungszeiten bekannt, nur Außenansicht |
| Wikidata | Q56457301 |
Ein Turm, bei dem sich nur die Kappe dreht
Der Turmholländer ist die jüngere Bauform der Windmühle. Bei der älteren Bockwindmühle drehte der Müller das komplette hölzerne Mühlenhaus auf einem Bock in den Wind. Beim Holländer bleibt der gemauerte Turm fest stehen. Gedreht wird nur die Kappe obendrauf, in der die Flügelwelle mit dem Flügelkreuz lagert. Dadurch passen größere Flügel an den Bau und mehrere Mahlböden übereinander, und ein Ziegelturm übersteht Stürme deutlich besser als ein Holzkasten auf einem Pfahl. In Mitteldeutschland setzte sich diese Bauweise im 19. Jahrhundert durch, oft als Ersatz für ältere Bockmühlen.
Die Nordmühle von Schafstädt passt genau in dieses Bild. Sie gilt als typischer Bau des 19. Jahrhunderts. Ein genaues Baujahr findet sich in den öffentlich zugänglichen Quellen allerdings nicht, ebenso wenig der Name des Erbauers, die Müllerfamilien oder das Jahr der Stilllegung. Wer alte Fotos, Grundbuchauszüge oder Familienerinnerungen dazu hat, kann sie gern an die Redaktion schicken. Gerade bei Mühlen dieser Größe steckt die Geschichte meist in privaten Schubladen und nicht in Archiven.
Was vom Bau übrig ist
Erhalten geblieben ist nur der Turmstumpf. Windrad, Kappe und Flügel fehlen, und das Mauerwerk verfällt sichtbar weiter. Eine Sanierung ist nicht bekannt. Für ein eingetragenes Baudenkmal ist das ein schlechter Zustand, und es ist eine offene Frage, wie lange der Turm ohne Schutzdach noch steht.
Fotografisch hat die Mühle trotzdem ihren Reiz. Aus dem richtigen Winkel stehen der Mühlenturm und der Westturm der Stadtkirche St. Johannis zusammen im Bild, zwei Landmarken, die das Ortsbild von Schafstädt seit dem 19. Jahrhundert bestimmen.
Oktober 1976: Bernd Maywald fotografiert die Mühle
Im Oktober 1976 reiste der Mühlenfotograf Bernd Maywald durch die DDR und hielt Windmühlen fest, die stillgelegt waren oder kurz davor standen. In Schafstädt fotografierte er einen Turmholländer, der damals schon außer Betrieb war. Das Flügelkreuz war abgebaut, der Wellkopf saß aber noch oben. Das ist das vordere Ende der Flügelwelle, an dem die Flügel befestigt werden. Maywalds Abzüge gehören heute zur Sammlung der Historischen Mühle von Sanssouci in Potsdam und lassen sich online über museum-digital ansehen.
Maywald beschriftete sein Motiv mit „Schafstedt 1“ und notierte dazu, dass es im Ort eine zweite, dreigeschossige Turmholländermühle aus Ziegelmauerwerk gab. Welcher der beiden Türme auf seinem Foto zu sehen ist, geht aus dem Archiveintrag nicht eindeutig hervor. Auf derselben Reise machte er übrigens auch an der Bockwindmühle von Kurt Conrad in Bad Lauchstädt Halt.
In derselben Notiz steht eine Angabe, die zeigt, wie dicht die Mühlenlandschaft hier einmal war: Bis 1972 gab es in Schafstädt noch eine Bockwindmühle. Ein Ort mit damals gut 3.000 Einwohnern (1970 waren es 3.058) hatte also bis in die 1970er Jahre drei Windmühlen.
Die zweite Mühle am Oberwünscher Weg

Rund anderthalb Kilometer südlich steht der zweite Turmholländer, am Oberwünscher Weg 2, Denkmalnummer 094 20030. Er sieht anders aus als sein Gegenstück im Norden. Der Ziegelturm ist „tailliert“, also in der Mitte eingezogen, stellenweise noch verputzt und wirkt so, als sei ein Geschoss erst später aufgesetzt worden.
Das Mühlenportal mahlpfennig.de, das die bei der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung registrierten Mühlen in Sachsen-Anhalt auflistet, führt die Südmühle als Getreidemühle in schadhaftem Zustand. Laut dem Eintrag waren im Turm bis vor einigen Jahren noch Flügelwelle, Kammrad und Reste der Flügel vorhanden. Dann bekam der Turm ein Notdach, die ausgebaute Flügelwelle liegt seitdem aufgebockt neben dem Bau. Ein Hinweisschild des Heimatvereins Schafstädt e.V. steht ebenfalls dort. Für Besucher ist die Südmühle damit die anschaulichere der beiden, weil man an der Welle sieht, welche Dimensionen die Technik hatte.
Wer beide Türme sehen will, kommt zu Fuß hin: Der Weg vom Mühlweg zum Oberwünscher Weg führt einmal quer durch den Ort. Wir schätzen dafür 20 bis 25 Minuten.
Warum auf der Querfurter Platte so viele Windmühlen standen
Schafstädt liegt am Übergang der Querfurter Platte zur Leipziger Tieflandsbucht, mitten in einer Lössebene, die seit Jahrhunderten intensiv beackert wird. Getreide gab es reichlich, Wasserkraft kaum. Die Laucha entspringt erst südwestlich des Ortes und ist dort noch ein schmaler Bach. Wo das Wasser fehlt, muss der Wind die Mühlsteine drehen. Die Nordmühle war eine von zahlreichen Windmühlen auf dieser Hochfläche, von denen heute nur noch wenige stehen.
In Bad Lauchstädt selbst ist die Mischung gut zu sehen: An der Mühlenstraße 21 steht eine Bockwindmühle, außerdem gibt es eine denkmalgeschützte Wassermühle. Wer sich für Mühlengeschichte interessiert, kann an einem Nachmittag alle drei Bautypen abfahren, die Bockmühle, die Wassermühle und die beiden Turmholländer in Schafstädt.
So kommt man zum Mühlweg
Fürs Navi reicht die Adresse Mühlweg 22, 06246 Bad Lauchstädt. Mit dem Auto geht es über die A38, deren Abfahrt Schafstädt nördlich des Ortes liegt. Halle (Saale) ist etwa 20 Kilometer entfernt, Bad Lauchstädt rund 7 Kilometer Luftlinie östlich.
Ohne Auto fährt der PlusBus 728 von Merseburg über Bad Lauchstädt nach Schafstädt. Die Bahnstrecke Merseburg nach Schafstädt ist seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 eingestellt, der nächste Bahnhof ist Merseburg an der Thüringer Bahn. Mit dem Rad ist die Strecke von Bad Lauchstädt flach und gut zu fahren.
Vor Ort gilt: Öffnungszeiten oder Führungen sind nicht bekannt, ebenso wenig, wem das Grundstück heute gehört. Der Turm ist baufällig. Man schaut ihn sich deshalb von außen an, betritt ihn nicht und respektiert private Flächen.
Was sich in Schafstädt sonst noch lohnt
Schafstädt ist älter, als der Ort wirkt. Zwischen 881 und 899 taucht er als „Scabstedi“ im Zehntverzeichnis des Klosters Hersfeld auf, 1558 bekam er das Stadtrecht. Spuren davon finden sich rund um den Marktplatz. Das Haus Marktplatz 7 ist ein Barockbau aus der Zeit um 1750 mit Hauszeichen über dem Portal, die Hofanlage Lange Straße 1 stammt von 1693 und gehört zu den ältesten erhaltenen im Ort.
Die Stadtkirche St. Johannis ist eine neuromanische Saalkirche von 1875/76. Ihr Westturm ist deutlich älter und trägt eine Inschrift von 1505, die gedrungene Haube kam 1793 dazu. Drinnen steht eine Orgel von Friedrich Ladegast aus dem Jahr 1875 mit 33 Registern auf drei Manualen und Pedal, 2006 hat sie Christian Scheffler restauriert. Der älteste Fund aus Schafstädt ist allerdings nicht mehr hier: Ein jungsteinzeitlicher Statuenmenhir, 1962 entdeckt, steht heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.
Häufige Fragen zur Turmholländermühle Schafstädt
Wo genau steht die Turmholländermühle Schafstädt?
Am Mühlweg 22 im Norden von Schafstädt, einem Ortsteil von Bad Lauchstädt im Saalekreis (Sachsen-Anhalt). Koordinaten: 51.389849 N, 11.771548 O.
Kann man die Mühle besichtigen?
Öffnungszeiten oder Führungen sind nicht bekannt. Der Turm ist baufällig und nur von außen zu betrachten.
Wie alt ist die Mühle?
Sie gilt als typischer Bau des 19. Jahrhunderts. Ein genaues Baujahr ist nicht belegt. Spätestens im Oktober 1976 war eine der beiden Schafstädter Turmholländer bereits stillgelegt und ohne Flügelkreuz.
Gibt es in Schafstädt mehrere Windmühlen?
Ja, zwei Turmholländer: die Nordmühle am Mühlweg 22 (Denkmalnummer 094 20028) und die Südmühle am Oberwünscher Weg 2 (094 20030). Bis 1972 stand im Ort außerdem eine Bockwindmühle.
Was unterscheidet einen Turmholländer von einer Bockwindmühle?
Bei der Bockwindmühle wird das ganze Mühlenhaus in den Wind gedreht. Beim Turmholländer steht ein fester, meist gemauerter Turm, und nur die Kappe mit den Flügeln dreht sich.
Steht die Mühle unter Denkmalschutz?
Ja. Beide Schafstädter Turmholländer sind im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt als Baudenkmal eingetragen.









