
Anfang 2026 wurde über den Städte- und Gemeindebund ein Schreiben an Städte und Gemeinden weitergeleitet. Darin ging es um das European Cities Forum. Keine Einladung an Bürger, keine öffentliche Debatte, sondern eine Ausschreibung an Kommunen. Gesucht wurde eine Stadt, die das Forum 2027 ausrichtet.
Bad Lauchstädt wird wahrscheinlich kein Gastgeber sein. Aber das Thema berührt auch kleine Städte. Denn was auf solchen Foren diskutiert wird, kann später bis in den ländlichen Raum hinein wirken.
Inhaltsübersicht
Was ist das European Cities Forum?
Das European Cities Forum ist eine große europäische Konferenz zur Stadtentwicklung. Alle zwei Jahre treffen sich dort Vertreter von Städten, Verwaltungen und politischen Ebenen. Es geht um Wohnungsbau, Verkehr, Klimaschutz, Digitalisierung und um die Frage, wie europäische Fördermittel eingesetzt werden sollen.
Die Europäische Union versteht das Forum als Austauschplattform. Städte sollen voneinander lernen, Projekte vorstellen und gemeinsame Leitlinien entwickeln. Es ist ein politisches Format, kein Bürgerforum und keine Förderveranstaltung.

Wo fand das Forum in den letzten zehn Jahren statt?
Ein Blick zurück hilft, das Format besser einzuordnen.
Im Jahr 2017 fand das European Cities Forum in Rotterdam statt. Die niederländische Hafenstadt nutzte das Treffen, um ihre Rolle als Modellstadt für moderne Stadtentwicklung zu betonen. In den Jahren danach blieb Rotterdam gut vernetzt in europäischen Programmen. Für die Bürger vor Ort änderte sich dadurch jedoch nichts spürbar im Alltag.
2019 war Porto Gastgeber. Auch hier stand die europäische Bühne im Mittelpunkt. Porto gewann an internationaler Sichtbarkeit und beteiligte sich stärker an europäischen Netzwerken. Konkrete Vorteile für die Stadtgesellschaft lassen sich im Nachhinein kaum klar benennen.
2023 trafen sich die Teilnehmer in Turin. Das Forum war eng mit neuen europäischen Stadtprogrammen verknüpft. Turin konnte sich als engagierter Akteur präsentieren. Doch auch hier zeigt sich, dass das Forum eher Prozesse begleitet als direkte Verbesserungen auslöst.
2025 findet das Forum in Krakau statt. Die Erwartungen sind ähnlich wie zuvor. Sichtbarkeit, Austausch, politische Impulse. Was langfristig davon bleibt, wird sich erst Jahre später zeigen.
Diese Orte haben eines gemeinsam. Es sind größere Städte mit Verwaltungskraft, internationaler Ausrichtung und ausreichenden Ressourcen. Kleine Städte kommen in dieser Reihe nicht vor.
Was ist nach den Veranstaltungen passiert?
Die ehrliche Antwort lautet: wenig Greifbares für Bürger.
Die Gastgeberstädte haben Netzwerke aufgebaut, Kontakte geknüpft und ihre Rolle in europäischen Programmen gestärkt. Das ist für Verwaltungen und politische Ebenen wichtig. Doch konkrete Verbesserungen im Alltag der Menschen lassen sich kaum direkt auf das European Cities Forum zurückführen.
Straßen wurden nicht schneller saniert. Mieten nicht günstiger. Kultur nicht besser finanziert. Der Nutzen blieb strategisch und langfristig, oft schwer messbar.
Und was bedeutet das für Bad Lauchstädt?
Bad Lauchstädt lebt nicht von Strategiepapieren. Die Stadt lebt von Kultur, vom Handwerk, vom Tourismus und von Menschen, die bewusst hierher kommen. Stadtentwicklung bedeutet hier Erhalt, Pflege und behutsame Weiterentwicklung. Nicht Wachstum um jeden Preis.
In europäischen Debatten über Städte spielen solche Orte meist eine Nebenrolle. Der Fokus liegt auf Ballungsräumen, auf Verkehrsknotenpunkten, auf Wachstum und Verdichtung. Kurorte, Theaterstädte und touristisch geprägte Kleinstädte passen nur schwer in dieses Raster.
Die Frage nach dem richtigen Einsatz von Zeit und Geld
Große Konferenzen kosten Geld und binden Personal. Auch wenn Bad Lauchstädt wahrscheinlich kein Gastgeber dein wird, zeigt das Beispiel des European Cities Forum, wie viel politische Energie in Austauschformate fließt.
Für kleine Städte stellt sich die Frage, ob diese Energie nicht direkter eingesetzt werden sollte. Weniger Konferenzen, mehr passgenaue Programme. Weniger große Worte, mehr Unterstützung dort, wo Kultur erhalten, Tourismus gesichert und Infrastruktur gepflegt werden muss.
Bürgerecho
Das European Cities Forum zeigt, wie Europa über Städte spricht. Es zeigt aber auch, für wen diese Gespräche gemacht sind. Große Städte profitieren von Sichtbarkeit und Netzwerken. Kleine Städte bleiben Zuhörer.
Bad Lauchstädt braucht keine europäische Bühne. Bad Lauchstädt braucht Entscheidungen, die vor Ort ankommen. Förderprogramme, die Kultur und Tourismus stärken. Regeln, die verständlich sind. Und eine Stadtpolitik, die auch leise Orte ernst nimmt.
Europa wird nicht auf Konferenzen lebendig, sondern dort, wo Menschen ankommen, bleiben und sich wohlfühlen.






